So richtig lässt sich inzwischen kaum mehr fassen, wie und wo die Eurokrise begann, was seither passiert ist, welche Entscheidungen getroffen wurden und wo Europa derzeit steht. Vor allem letzteres wüssten wohl nicht mal die Finanzminister und Staatsoberhäupter der betroffenen (ob Geber- oder Nehmer-)Länder. Trotzdem versuchen wir uns an einer kurzen Darstellung des Sachverhalts.
Griechenland stand am Anfang. Das südeuropäischen Land stellte im Jahr 2010 fest, dass es seine Kredite nicht mehr tilgen bzw. seine Ausgaben nicht mehr bezahlen kann. Die europäischen Verbündeten schnürten ein über 100 Milliarden schweres Rettungspaket, damit Griechenland wieder Zugang zur Kreditvergabe bekommt. Der Ursprung der Eurokrise war also mangelnde Haushaltsdisziplin einiger Euro-Länder, vor allem eben der Griechenlands.
Zudem führt eine fehlende Klausel in den EU-Verträgen zu mitunter dramatischen Verschlechterungen der Situation: Kein Land kann einfach aus der Währungsgemeinschaft austreten. Spekulanten wussten, dass im Zweifelsfall die Euro-Partner einspringen, um Griechenland vor einer Staatspleite zu bewahren – so ließen sich viele Anleger unbesorgt auf riskante Spekulationen ein.
Griechenland Rettung
Im Zuge der Rettungsaktion der Griechen entschieden sich die Regierungschefs dazu, zunächst einen temporären Rettungsschirm (mit einer Menge Kapital) aufzuspannen und ab 2013 einen dauerhaften Stabilisierungsmechanismus einzuführen. Seit Griechenland nutzten inzwischen auch Irland und Portugal die Möglichkeit der zusätzlichen Kapitalzufuhr, wenngleich damit stets teils mehr, teils weniger strenge Auflagen verbunden sind.
Da die EU die politische Vereinigung zwar stets vorangetrieben hatte, die finanz- und wirtschaftspolitische jedoch vernachlässigt wurde, gibt es in vielen Fragen keine einheitlichen Regelungen, keine zentrale Kontrollinstanz. Und so gibt es bei all den Treffen und Aushandlungen in den vergangenen Monaten in der Regel auch viele verschiedene grundsätzliche Vorstellungen vom Zusammenspiel von Staat und Wirtschaft, von Schuldenpolitik und Bankenrettung. Das erleichtert die Lösung der sich angehäuften Probleme nicht – gerade erst musste den Griechen neues Geld zur Verfügung gestellt werden. Eine endgültige und dauerhafte Rettung des Landes (und pathetisch ausgedrückt auch jener Europas) ist derzeit leider nicht in Sicht.






