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Ist Wulffs Imageschaden auch das Problem der CDU?

Christian Wulff steckt in der Klemme. Sein Amtssitz wackelt ob der Medienaffäre um seinen Privatkredit bedenklich. Doch auch seine Partei, die CDU, hat es derzeit nicht leicht. Ihr scheint die Zeit davon zu laufen, um klar Stellung zu beziehen.

Die kritischen Nachrichten über unseren Bundespräsidenten reißen nicht ab. Christian Wulffs Verhalten seit dem Bekanntwerden des von einem befreundeten Unternehmer bzw. dessen Frau gewährten Privatkredites ist mit “dilettantisch” wohl noch recht wohlwollend umschrieben. Zunächst war es nur die Tatsache, den Kredit für den Bau des eigenen Hauses zu ungewöhnlich günstigen Konditionen erhalen zu haben und der mitschwingende leise Verdacht der Vorteilsnahme durch Wulffs politische Stellung. Hinzu kam seine bisherige Verschwiegenheit zu diesem Thema. Schließlich wurde die Sache zur Medienaffäre mit der Bild-Zeitung, dem mächtigsten Gegner, den man in Deutschlands Medienlandschaft nur haben kann. Der Bild soll der Präsident offenbar mit Konsequenzen gedroht haben, wenn diese Details über den Privatkredit veröffentlichen würde. Bild tat es trotzdem und seit Beginn des Jahres tobt nun eine Debatte zwischen den beiden Parteien über den tatsächlichen Verlauf der Ereignisse vor der Veröffentlichung.

Dabei ist gar nicht unbedingt der Sachverhalt das Problematischste, sondern vor allem Wulffs Salamitaktik, erst nach und nach die Wahrheit heraus zu rücken. Immer wieder musste er neue Details zugeben. Allerdings tat er dies nur dann, wenn die Medien wieder auf einen neuen Aspekt aufmerksam machten. Dies erinnert stark an die Plagiatsaffäre um Karl Theodor zu Guttenbergs Doktorarbeit. Egal ob Christian Wulff schließlich zurücktreten muss oder nicht: Seiner Person und auch dem Amt des Bundespräsident hat die ganze Affäre sicherlich beträchtlich geschadet.

Doch was ist mit der CDU, derjenigen Partei, der er angehört und die seine Wahl gegen den von der SPD favorisierten Joachim Gauck gefördert hat? Trägt sie ebenfalls durch ihr Verhalten einen Imageschaden davon? Zunächst muss man konstatieren, dass die Christdemokraten wie das allgemein üblich ist, zunächst rückhaltlos zu “ihrem” Präsidenten gestanden haben. Dies ist auch eine Zeit lang nachvollziehbar. Nach der fortlaufenden Debatte Wulffs mit Bild-Chefredakteur Diekmann, distanzieren sich aber nach und nach auch die Parteigenossen vom ursprünglich so makellosen Niedersachsen. Angesichts des Hin und Her könnte dieser Schritt aber zu spät kommen, um ohne Imageschaden aus der Sache zu gelangen. Zumal die Kanzlerin momentan immer noch an Wulff festzuhalten scheint. Hinter den Kulissen mögen zwar schon Diskussionen über eine Ablösung laufen, auch mit anderen Parteien, doch in der Öffentlichkeit haben die führenden CDU-Politiker zu wenig kritische Worte über das Verhalten von Christian Wulff verloren. Gerade weil man erst kürzlich die Erfahrung mit Ex-Verteidigungsminister zu Guttenbertg gemacht hat, hätte man viel früher unter vier Augen reden und die Sache zunächst vertraulich soweit aufklären müssen, damit entschieden werden kann, ob es mit Wulff als Präsident weiter gehen kann oder nicht. Doch leider scheinen die Verantwortlichen aus Erfahrung nicht klug geworden sein und bei einer neuen Präsidentenwahl könnte das der CDU beträchtlich schaden, da die Wahlberechtigten ihr unter Umständen nicht mehr zutrauen, einen geeigneten Kandidaten aufzustellen.


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